Ein Gang durch die St.-Elisabeth-Kirche

Geschichte

  • Mitte des 13. Jh.: Erbauung der Burgkapelle wohl noch unter den Herren von Hohenberg
  • 1421: Erstnennung der Kirche als (Burg-)kapelle
  • 1528-29: Einführung der Reformation durch Markgraf Georg „den Frommen“
  • 1590: der hölzerne Turm wird durch einen gemauerten ersetzt
  • 1686-1690: Verlängerung, Erhöhung und Einwölbung des Kirchenschiffs, Umbau des Turmdaches zur welschen Haube
  • 1785 und 1819-21: weitere umfangreiche Bau- und Reparaturmaßnahmen
  • 1913: Anbau einer Vorhalle an der Westseite des Langhauses
  • 1945: Zerstörung der Kirche durch Kriegseinwirkungen
  • ab 1948: allmählicher Wiederaufbau, Kirchturm mit Notdach
  • 17.11.1949: Einweihung nach vorläufigem Wiederaufbau
  • 1959: Gestaltung des Turmdachs in heutiger Form
  • 1960: Wiederherstellung des Glockengeläuts (drei neue Glocken)
  • 1987-1991: Außen- und Innenrenovierung der Kirche
  • 1998: Installation einer neuen Orgel
  • 2010: Erneute Außenrenovierung der Kirche mit Neugestaltung des Kirchgartens und Schaffung eines behindertengerechten Zuganges
  • 2011: Geplante Illumination der Kirche

Beim Betreten des Gotteshauses wird der Besucher von einer festlichen, fast heiteren Raumstimmung umfangen. Schreitet man unter der Holzempore in das helle Innere, so fallen dem Besucher sofort die erhöht gebaute Kanzel mit festem Deckel, der gemauerte Altar im Chorturm und davor der Taufstein ins Auge. Ein von der gewölbten Kirchendecke herabhängender geschmiedeter Kerzenleuchter sorgt für Beleuchtung bei Festen und Taizé-Gottesdiensten.

Der Mittelgang teilt die hölzernen Sitzbankreihen, die mit verzierten Buchpulten versehen sind und führt geradewegs zum Altar. Im Kirchenschiff finden ca. 220 Besucher Platz.

Kanzel, Altartisch und Taufstein wurden 1949 durch die Bildhauerin Marianne Wendt künstlerisch gestaltet. Die warme Ausstrahlung des aus rötlichem Terrakotta gefertigten Ensembles verleiht dem Kirchenraum eine anheimelnde Stimmung. Darstellung und Wahl des Werkstoffes sind in Bayern einzigartig.
 

"Vertreibung aus dem Sudetenland"Der Altar besteht aus Eichenholz. Der Holzbildhauer Albert Sterr setzt biblische Inhalte in gekonnter Reliefschnitzerei in das Flügelretabel. Iim linken oberen Feld ist die Geburt Jesu Christi dargestellt, darunter die Bergpredigt. Die breite Mitteltafel zeigt die Kreuzigung des Herrn mit Maria und Johannes unter dem Kreuz.

Auf der rechten Seite ist im oberen Feld die Himmelfahrt dargestellt. Darunter befindet sich ein zeitgenössisches Dokument der Vertreibung von Sudetendeutschen nach 1945. Im Hintergrund ist hier die brennende Grenze angedeutet, davor ein flüchtendes Bauernpaar mit seiner letzten Habe. Darüber erhebt sich die schützende Burg. Nach der Flucht fanden gerade in Hohenberg viele Flüchtlinge ein neues Zuhause.

In die Kanzel hatte die damals von der örtlichen Porzellanfabrik C. M. Hutschenreuther tatkräftig unterstützte Künstlerin in das noch weiche Material biblische Szenen hineinmodelliert. Die einzelnen Segmente wurden gebrannt und anschließend vor Ort zusammengefügt. Die Bildtafeln beziehen sich alle auf die Berufung in das Predigtamt.


Die Bildnisse stellen dar: Mose am brennenden Dornbusch, die Berufung des Jesaja, die Taufe Jesu und die Ausgießung des heiligen Geistes zu Pfingsten.

Der Taufstein ist aus dem gleichen Material wie Altar und Kanzel geformt, am Fuße ist dieser mit Putten geschmückt.  

„Denn er hat seinen Engeln befohlen über dir, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen… und du deinen Fuß nicht an einen Stein stoßest.“ (Psalm 91, Vers 11f.)

Die Holzfigur Elisabeth von Thüringen befindet sich an der Südwand auf einem kleinen Marmorsockel. Sie ist 115 cm hoch, aus Zirbelholz geschnitzt und wurde in Oberammergau von dem Bildhauer Eitzenberger nach einem Vorbild von Tilman Riemenschneider angefertigt. Das Original steht in der Magdalenenkirche in Münnerstadt.



Die Skulptur wurde zum Weihnachtsfest 1983 aufgestellt, zur steten Erinnerung an die Schutzpatronin unserer Kirche: der hl. Elisabeth von Thüringen.

Elisabeth (1207 – 1231) wurde zur adeligen Dame des mächtigen bayerischen Adelsgeschlechtes der Andechs-Meranier und des ungarischen Königshofes auf der Wartburg in Thüringen erzogen und mit Ludwig IV. vermählt. In ihrem Einsatz für Arme und Kranke spiegelt sich der Beginn der europäischen Armutsbewegung nach Franz von Assisi. Von ihren höfischen Standesgenossen verstoßen, stiftet sie ein Hospital in Marburg. Bereits 1235 wird sie heilig gesprochen.

Wendet sich der Besucher wieder dem Eingang zu, so erblickt er die Holzempore mit ausgemalten Feldern. Nach der Zerstörung der Kirche im April 1945 wurde die Empore in barocker Form neu errichtet. Später gestaltete Gerhard Rießbeck, Student der Meisterklasse von Professor Knaupp an der Nürnberger Kunstakademie, die 17 Emporenfelder in modernem Stil. Alpha und Omega am Anfang und Ende sowie das Christusmonogramm in der Mitte weisen auf das Thema des Bildes hin: „Das Reich Gottes ist mitten unter Euch“. Die Darstellung hält sich bewusst gegenüber Ausdeutungen offen.

Im Jahre 1990 hat die Künstlerin Anne Hitzger der Kirche bei der Innenrenovierung durch ihre Bemalung ein neues Aussehen gegeben.

Die 1998 neu erbaute Orgel entstammt der Werkstatt Herbert und Erhard Hey, Urspringen/Rhön. Sie wurde nach klassischen Prinzipien konzipiert. Es entstand ein zweimanualiges Werk mit 13 Registern, mechanischer Traktur und insgesamt 792 Orgelpfeifen.

Der Besucher sollte nicht versäumen, einen Blick in den neu gestalteten Kirchhof zu werfen. Dort sind zehn Denkmäler des Todes aus Fichtelgebirgsmarmor aus der Zeit von 1611 bis 1781 aufgestellt.

© 2017 by Hans-Jürgen Wohlrab -